Ausschreibung »Kartographen«

Ausschreibung 2017: Integration & Bildung

Um einen vollständigen Antrag stellen zu können, orientieren Sie sich bitte an unseren „Förder- und Vergaberichtlinien 2017“. Sie können diese ab Mitte März 2017 auf dieser Seite herunterladen. Im folgenden finden Sie eine Zusammenfassung der wesentlichen Punkte der Ausschreibung sowie die Konkretisierung von Punkten, die in den Förder- & Vergaberichtlinien allgemein beschrieben werden (diese Punkte betreffen u.a. das Jahresthema 2017 sowie das konkrete Datum der Bewerbungsfrist.

Anlass des Stipendiums

Viele klassische Medienhäuser durchleben einen radikalen Wandel. Vieles steht zur Disposition: ihre Erlösmodelle, ihre Funktion im öffentlichen Diskurs, ihre Selbstorganisation, ihre Funktion als Vermittler gesicherten Wissens, ihre Glaubwürdigkeit, ihre Publikationskanäle und ihre Mitbewerber.
Dieser Wandel hat eine Reihe von Auswirkungen: Immer weniger JournalistInnen haben die Zeit und die Ressourcen, wichtige Themen umfassend zu recherchieren, neue Erzählformate zu entwickeln, Wissen auf nachvollziehbare Weise zu vermitteln. Das »Kartographen – Stipendienprogramm für JournalistInnen« will dieser Entwicklung begegnen, indem es ein praktisch orientiertes Weiterbildungs-Programm für hochqualifizierte Recherchen, neue Erzählformate und zeitgemässe Wissensvermittlung ermöglicht.
Dieses Programm ist eine Initiative des Vereins »Fleiß und Mut e.V.«, die durch die Stiftung Mercator großzügig gefördert wird. So soll dem Diktum von Wolf Schneider und Paul-Josef Raue zu neuer Gültigkeit verholfen werden: »Die Recherche ist die erste Pflicht des Journalismus«.

Ziel des Programms

Konkret soll das Stipendienprogramm
* es JournalistInnen bzw. ExpertInnen ermöglichen, über längere Zeit an einer umfangreichen Recherche zu einem konkreten, gesellschaftlich relevanten Thema zu arbeiten und solcherart neue Erkenntnisse bzw. Verknüpfungen zu ermöglichen
* die Entwicklung neuer Erzählformen fördern
* die praktische Umsetzung dieser Erzählformen ermöglichen
* das Bewusstsein der JournalistInnen für ihre zentrale Rolle bei der Vermittlung von Wissen bzw. wissenschaftlichen Erkenntnissen schärfen
* die (Selbst)Reflexion über journalistische Erzählformen und das professionelle Selbstverständnis anregen
* das wechselseitige Lernen in den JournalistInnen-Teams anstoßen und fördern
* die Weitergabe jener beruflichen Erkenntnisse, die die JournalistInnen-Teams während ihrer Projekte akkumulieren, an andere JournalistInnen ermöglichen und fördern und zwar während eines alljährlich stattfindenden Symposions
* die Überzeugung bei den JournalistInnen-Teams schärfen, dass die Basis jeder Form von Qualitätsjournalismus die hochqualitative Recherche und deren adäquate Umsetzung in entsprechende journalistische Formate ist
* beispielhafte Recherchen, neue Erzählformen und Formate für Hintergrundinformationen fördern, die als Orientierungspunkte für andere JournalistInnen dienen und den Nachweis erbringen, dass diese Elemente den JournalistInnen zu neuer Relevanz und Glaubwürdigkeit verhelfen können und von vielen Menschen geschätzt werden
* und schließlich die Rezipienten der Beiträge in die Lage versetzen, komplexe Sachverhalte zu verstehen bzw. sich ein eigenständiges, sachlich fundiertes Urteil darüber zu bilden.

Ergänzt wird dieses Weiterbildungsprogramm durch dreierlei:
* Durch die Verpflichtung der Stipendiaten, über ihre Erfahrungen nach Abschluß der Projektarbeit in schriftlicher Form zu berichten.
* Durch mindestens ein Arbeitstreffen der Stipendiaten mit dem unabhängigen Beirat des Stipendienprogramms »Kartographen«, welcher mit hochqualifizierten erfahrenen JournalistInnen, Fachleuten bzw. Wissenschaftlern besetzt ist; diese Treffen finden während der Laufzeit der Stipendien statt.
* Und schließlich wird das Programm »Kartographen« erweitert durch die Teilnahme der Stipendiaten an einem zweitägigen Symposion, das alljährlich stattfindet. Während dieses Symposions sollen die Stipendiaten von ihren Erfahrungen aus den Recherche-Projekten berichten, ihre Erfahrungen mit der Vermittlung wissenschaftlicher Informationen teilen sowie in Vorträgen bzw. Seminaren mit Fachleuten unterschiedlichster Herkunft und Ausbildung zusammentreffen mit dem Ziel, ihre Fähigkeiten und ihr Wissen zu vertiefen.

Teilnahmeberechtigte

Das »Kartographen – Stipendienprogramm für JournalistInnen« wendet sich an JournalistInnen-Teams,
* die aus wenigstens zwei, maximal drei Personen bestehen, von denen wenigstens eine deutschsprachig publiziert
* die möglichst multiperspektivisch besetzt sind; das heisst zum einen JournalistInnen aller Fachrichtungen umfasst, zugleich aber auch Wissenschaftler bzw. in der Wissenschaft tätige Personen
* die bereits über mehrjährige Erfahrungen in ihren jeweiligen Tätigkeitsfeldern verfügen und
* die idealerweise bereits zusammengearbeitet haben (keine Voraussetzung).
Die Teilnahme internationaler JournalistInnen bzw. ExpertInnen bzw. Wissenschaftler wird besonders begrüßt, ist aber ebenfalls keine Voraussetzung für das Ansuchen um ein Recherche-Stipendium.

Die Journalistinnen-Teams können aus freien oder angestellten JournalistInnen bzw. ExpertInnen bzw. Wissenschaftlern bestehen; auch gemischt besetzte Teams aus Freien und Angestellten können sich um ein Stipendium bewerben. Die Teams müssen eine/n Teamverantwortliche/n nominieren; diese/r tritt gegenüber dem Auslober des Stipendien-Programms als alleinige/r Verantwortliche/r und Ansprechpartner/in auf.

Um ein Stipendium können sich JournalistInnen-Teams selbständig bei »Fleiß und Mut e.V.« bewerben. Sie können aber auch durch die Chefredaktionen von Print- bzw. elektronischen Medien bzw. durch die Leitung wissenschaftliche Institutionen nominiert und für das Stipendien-Programm »Kartographen« vorgeschlagen werden. In diesem Fall stellt die Chefredaktion bzw. die Leitung den Antrag auf ein Recherche-Stipendium und fungiert als alleinige Verantwortliche und Ansprechpartnerin. Die nominierten Team-Mitglieder müssen mit dieser Nominierung einverstanden sein und dieses Einverständnis im Antrag schriftlich erklären.

Es darf pro Person bzw. Team bzw. Redaktion bzw. Institution nur ein Antrag auf ein Stipendium eingereicht werden. Es ist zudem nicht gestattet, dass sich dieselben Personen, Redaktionen, Teams bzw. Institutionen in unterschiedlichen Besetzungen mit unterschiedlichen Themen bewerben.

Bewerbungsfrist

Die Bewerbungsfrist endet am 3. Mai 2017, 24:00 Uhr

Jahresthema 2017

Um das Stipendienprogramm zu fokussieren, werden alljährliche Schwerpunktthemen definiert. Das Schwerpunktthema für 2017 lautet »Integration und Bildung«. Dieses Jahresthema ist so breit gefasst, dass eine Vielzahl von Aspekten bzw. Erzählformen durch ein Stipendium gefördert werden kann.

Höhe der Stipendien

Pro JournalistInnen-Team wird ein Recherche-Stipendium mit einer maximalen Gesamtsumme von je 28.000 Euro (inklusive aller Steuern und Abgaben) vergeben.
Diese Gesamtsumme setzt sich aus zwei Teilsummen zusammen:
Teilsumme A: Lebenshaltungskosten pro Teammitglied
Teilsumme B: Sachkosten bzw. Kosten für Dienstleistungen

(ad A): Jedes Teammitglied bekommt – unabhängig von der Laufzeit des Recherche-Projekts – ein Grund-Stipendium von 5.000 Euro (inklusive aller Steuern und Abgaben). Dieses Stipendium soll zu den Lebenshaltungskosten des jeweiligen Teammitglieds beitragen und bedarf keiner weiteren Begründung und Abrechnung.

(ad B): Darüber hinaus erhält jedes Team Finanzmittel für etwaige Reise-, Sach- oder andere Kosten, die mit dem Rechercheprojekt in klar erkennbarem Zusammenhang stehen. Diese Finanzmittel dürfen jene Summe nicht übersteigen, die sich nach Abzug der Lebenshaltungskosten vom Gesamtbetrag von 28.000 Euro ergibt. Im Antrag auf ein Stipendium müssen beide Positionen (A und B) konkret budgetiert werden. Zur Auszahlung kommt im Beiwilligungsfall ausschließlich jene Summe, die in dem Antrag als Endsumme genannt ist (d.h. auch die unter A genannten Grund-Stipendien pro Person müssen aufgeführt werden).

Die Stipendien werden für die Durchführung eines konkreten Rechercheprojekts vergeben unabhängig davon, wie lange sich die JournalistInnen-Teams diesem Projekt widmen.

Form der Bewerbung

Zugelassen sind ausschließlich schriftliche Bewerbungen in deutscher Sprache. Diese Bewerbungen sind in Form eines einzigen PDF-Dokuments und auf dem Weg einer E-Mail an info[at]fleissundmut[dot]org einzureichen. Die Bewerbungsunterlagen haben sämtliche, in den Förder- und Vergaberichtlinien definierten Angaben zu enthalten. Die Förder- und Vergaberichtlinien können Sie ab Mitte März 2017 hier herunterladen. Die Bewerbung hat u.a. folgende Punkte zu enthalten:
* Name, Adresse, E-Mail-Adresse, Kurzlebenslauf und relevante Veröffentlichungen bzw. Arbeiten (max 5) der/s Antragsteller/in. Darunter ist jene Person zu verstehen, die das JournalistInnen-Team gegenüber »Fleiß und Mut e.V.« alleinverantwortlich vertritt und als ausschließliche/r Ansprechpartner/in fungiert.
* Namen, Adresse, E-Mail-Adresse, Kurzlebenslauf und relevante Veröffentlichungen bzw. Arbeiten (max 5) aller weiteren Teammitglieder.
* Die Bankverbindungen aller Mitglieder des JournalistInnen-Teams.
* Eine aussagekräftige Beschreibung des konkreten Recherche-Themas sowie eine Begründung von dessen Relevanz in Hinblick auf das alljährliche Schwerpunktthema sowie die Gesellschaft in Deutschland.
* Eine aussagekräftige Beschreibung, wie und für welches Medium das Recherche-Thema umgesetzt werden könnte. Das heißt: Auf welche konkrete journalistische Weise es erzählt werden sollte und für welches Medium (Print und/oder Online bzw. TV) es idealerweise geeignet wäre.
* Einen detaillierter Zeitplan, der darüber Auskunft gibt,
– wann mit der Recherche begonnen werden soll;
– bis wann mit einem Abschluss der Recherche zu rechnen ist;
– welche Milesstones wann erreicht werden müssten, um die Recherche zum Abschluss bringen zu können;
– und bis wann der Abschlussbericht vorgelegt wird. Zu Details siehe die Förder- und Vergaberichtlinien 2017.
* Die Laufzeit der Rechercheprojekte ist flexibel, soll aber in der Regel vier bis sechs Monate betragen. Sowohl der Beginn als auch der Abschluss des Rechercheprojekts sollten innerhalb jenes Jahres liegen, für das das jeweilige Recherchestipendium ausgeschrieben wurde. In Ausnahmefällen können sich die Arbeiten an einem Rechercheprojekt auf das Folgejahr ausdehnen; in diesem Fall bedarf es einer nachvollziehbaren schriftlichen Begründung seitens des Antragstellers.
* Einen detaillierten Finanzplan, der darüber Auskunft gibt, wie viele Personen das Grund-Stipendium bekommen sollen, und welche Sach- und Dienstleistungskosten für die geplante Recherche und deren Umsetzung in eine publizierbare Form nötig sind und aus welchen Einzelsummen sich diese Gesamtsumme zusammensetzt. Die Sach- und Dienstleistungskosten dürfen jene Summe nicht übersteigen, die sich nach Abzug der Grund-Stipendien vom Gesamtbetrag von 28.000 Euro ergibt. Zu Details siehe die Förder- und Vergaberichtlinien 2017.
* Die Absichtserklärung eines Print- bzw. elektronischen Mediums, das geförderte Recherche-Projekt nach dessen Abschluss zu publizieren; besonders begrüßt werden regional verankerte Qualitätsmedien, die über eine möglichst breite Leser- bzw. Nutzerschaft verfügen. Diese Absichtserklärung kann – so sie von den ansuchenden JournalistInnen-Teams zum Bewerbungsschluss noch nicht beigebracht werden können – auch nachgereicht werden. Dies ist dem Auslober des Stipendiums in der Bewerbung bekanntzugeben. Es wird den JournalistInnen-Teams eine dreiwöchige Nachreichfrist ab Bewerbungsschluss eingeräumt – im aktuellen Fall bis 24. Mai 2017, 24:00 Uhr. Die Absichtserklärung ist per E-Mail an die Adresse info[at]fleissundmut[punkt]org nachzureichen und zwar in Form eines PDFs.

Auswahlverfahren

Die Entscheidung über die Vergabe der Stipendien findet in einem zweistufigen Verfahren statt. In der 1. Stufe wird durch Vertreter des Vereins »Fleiß und Mut e.V.« geprüft, welche ansuchenden JournalistInnen-Teams die in den Förder- und Vergaberichtlinien genannten formalen Bedingungen erfüllen und welche nicht.
In der 2. Stufe des Verfahrens entscheidet ein vom Verein »Fleiß und Mut e.V.« nominierter Beirat, der aus erfahrenen JournalistInnen bzw. Wissenschaftlern besteht, unabhängig darüber, welche der in der 1. Stufe nominierten JournalistInnen-Teams ein Recherche-Stipendium erhalten sollen. Wesentliches Kriterium für die Entscheidung ist – neben den in diesen Förder- und Vergaberichtlinien definierten Formalien – die Frage, ob das jeweilige Rechercheprojekt dazu geeignet ist, das Fortbildungsziel in Sachen hochqualitativer Recherchen und Wissenstransfer zu befördern. Weitere wichtige Kriterien sind die Qualifikation der Bewerber sowie die Plausibilität des Finanzplans.

Qualifiziertes Feedback

JournalistInnen-Teams, die ein Stipendium erhalten, verpflichten sich, wenigstens an einem von zwei Treffen teilzunehmen, die im Sommer und im Herbst des jeweiligen Ausschreibungsjahres vom Verein »Fleiß und Mut e.V.« in Berlin veranstaltet werden. Dabei bekommen die Teams von einzelnen Mitgliedern des Beirats bzw. Recherche-ExpertInnen qualifiziertes Feedback über die laufenden Recherchen und die Entwicklung ihrer Erzählformate und zwar im Hinblick auf den Weiterbildungs-Charakter des Stipendienprogramms.

Weiterbildung & Symposion

JournalistInnen-Teams, die ein Stipendium erhalten haben, verpflichten sich, an dem alljährlichen Symposion, das »Fleiß und Mut e.V.« in Berlin ausrichtet, teilzunehmen und ihre Erfahrungen mit interessierten JournalistInnen und ExpertInnen in Form von Vorträgen, Teilnahmen an Podiumsdiskussionen, Symposien etc. zu teilen und diesen bei der Adaption jener Erzählformen behilflich zu sein, die sie entwickelt haben. Das alljährliche Symposion findet voraussichtlich im Oktober 2017 statt. Es ist Aufgabe des Vereins »Fleiß und Mut e.V.«, die in diesem Zusammenhang entstehenden Reise- und Unterbringungskosten der Stipendiaten zu übernehmen – so diese nicht in Berlin bzw. in unmittelbarer Nähe wohnen.

Rückfragen

Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung (info[at]fleissundmut[punkt]org). All jene Antworten, die für andere Bewerber von Relevanz sind, werden hier publiziert.

Nachträge 2016

Sind auch Radio-Sender teilnahmeberechtigt?
Aus Österreich gab es die Anfrage, ob sich auch Radio-Sender für das Stipendien-Programm bewerben können. Die Antwort lautete: Wenn mithilfe des Stipendiums ein klassisches Radiofeature o.ä. realisiert werden soll, dann nicht. Reicht ein JournalistInnen-Team hingegen eine multiperspektivische Recherche ein, die u.a. einen starken Anteil gesprochenen Wortes aufweist, dann sind solche Anträge herzlich willkommen.

Welche Erzählformate sind zugelassen?
Unter „Erzählformaten“ verstehen wir Text, Bewegtbild, Ton aber auch interaktive Info-Grafiken sowie softwaregestützte Online-Erzählformen, die von den AntragstellerInnen selbst entwickelt bzw. unter Zuhilfenahme von Open-Source-Software realisiert werden.

Kann man von Österreich und der Schweiz aus auch an dem Stipendium teilnehmen?
Darauf eine kurze und klare Antwort: Ja, können Sie! Und es kann auch ein österreichisches bzw. Schweizer Medium sein, das sich an Ihrem Rechercheprojekt interessiert zeigt.

Wir überlegen, uns mithilfe des Stipendiums die Technik (Kamera und Audio-Aufnahmegerät) anzuschaffen. Ist das möglich?
Das Stipendienprogramm wendet sich an erfahrene JournalistInnen-Teams. Daher ist es nicht vorgesehen, den Ankauf von technischem Equipment zu fördern.

Fleiss und Mut